Deutsches Phonomuseum

Bärenplatz 1
78112 St. Georgen
Tel.: 07724 8599138

Zur Facebook-Seite des Deutschen Phonomuseums

Im Deutschen Phonomuseum St. Georgen gibt eine informative Sammlung Einblick in die traditionsreiche St. Georgener Phonoindustrie und die an Kuriositäten reiche Entwicklungsgeschichte der Phonotechnik. Eine interessante und lehrreiche Schau zeigt dem Besucher in anschaulicher Weise und nahezu lückenlos die Entwicklung der mechanischen Tonaufzeichnung sowie der Musikwiedergabe bis heute.

Öffnungszeiten

Dienstag-Sonntag und an Feiertagen*:
11.00 bis 17.00 Uhr

Montag: geschlossen

*Am Neujahrstag, an Karfreitag, an Allerheiligen,an Heiligabend, am 1. Weihnachtsfeiertag und an Silvester bleibt das Phonomuseum geschlossen.

Gruppenführungen sind auch außerhalb der Öffnungszeiten und nach Voranmeldung möglich.


Eintrittspreise

Erwachsene 5,00 €
Kinder und Jugendliche ab dem 7. Lebensjahr 2,50 €
Kinder bis zum vollendeten 6. Lebensjahr frei
Ermäßigter Eintritt für  
a) Feriengäste mit KONUS-Gästekarte "Ferienland" 2,50 €
Feriengäste mit KONUS-Gästekarte 4,00 €
c) Schwerbehinderte (mit Schwerbehindertenausweis) 4,00 €
d) Rentner / Pensionäre ab dem 65. Lebensjahr 4,00 €
e) Schüler / Studenten (mit Schüler-/ Studentenausweis) 4,00 €
Familienkarte  
a) ohne Gästekarte 11,00 €
b) mit KONUS-Gästekarte "Ferienland" 5,50 €
c) mit KONUS-Gästekarte 9,00 €
d) mit Landesfamilienpass 9,00 €
Gruppen (ab 10 Personen)  
a) pro Erwachsener 4,00 €
b) pro Kind und Jugendlicher ab dem 7. Lebensjahr 2,00 €
Leihgebühr Audio-Guide (pro Stück) 1,00 €
Führungen (für Gruppen Anmeldung erforderlich) zusätzlich 30,00 €

16. Intern. Phono- und Radiobörse am 28. Mai 2016

Der Arbeitskreis Deutsches Phonomuseum veranstaltet am Samstag, 28. Mai 2016, die 16. Intern. Phono- und Radiobörse für historische Phono- und Radiotechnik, Einzel- und Ersatzteile, Zubehör, Tonträger, Literatur usw. in der Stadthalle in St. Georgen, Im Hochwald 10.

Informationen für Aussteller (85,6 KB)

Anmeldeformular (80,6 KB)


Sonderführungen & Veranstaltungen

Sonderführungen

Montag, 16. Mai 2016, 14.30 Uhr
Sonderführung

Donnerstag, 9. Juni 2016, 14.30 Uhr
Sonderführung

Donnerstag, 7. Juli 2016, 14.30 Uhr
Sonderführung

Dienstag, 9. August 2016, 14.30 Uhr  
Sonderführung für Familien & Grammophon montieren

Dienstag, 6. September 2016, 14.30 Uhr
Sonderführung für Familien & Grammophon basteln

Sonntag, 9. Oktober 2016, 14.30 Uhr
Sonderführung durch die Tonbandabteilung

Donnerstag, 3. November 2016, 14.30 Uhr
Sonderführung

Dienstag, 27. Dezember 2016, 14.30 Uhr
Sonderführung für Familien & Grammophon basteln

Sonntag, 8. Januar 2017, 14.30 Uhr
Sonderführung durch die Uhrensammlung (Anmeldung erbeten)

Alle Sonderführungen sind im regulären Museumseintritt enthalten.

Veranstaltungen

Samstag, 21. Mai 2016, 18 bis 22 Uhr    
Musik- und Tanzabend mit Musik der 1920er bis 1960er Jahre vom Grammophon und Plattenteller
mit Bewirtung, Eintritt frei

Sonntag, 22. Mai 2016, 11 bis 17 Uhr
Internationaler Museumstag
Museumseintritt frei
Vorführungen der historischen Grammophone, Schallplattenspieler und Musikboxen

Samstag, 28. Mai 2016, 9 bis 14 Uhr    
Internationale Phono- und Radiobörse
Stadthalle St. Georgen

Sonntag, 17. Juli 2016, 14.30 Uhr
Drehorgelkonzert mit Wolfgang Winkler

Sonntag, 16. Oktober 2016, 15 Uhr
„Songs & Sichtweisen“
Konzert mit Bernhard Betting


Zur Geschichte

Durch die Klosterzeit (ab 1084) gab es in St. Georgen in den frühen Jahrhunderten neben der Landwirtschaft auch verschiedene Handwerker. In zwei Jahrhunderten, etwa 1720 bis 1900 entwickelte sich die Uhrmacherei in St.Georgen zu einem bedeutenden Erwerbszweig. Im Bereich der Schwarzwälder Uhrenherstellung spielte St. Georgen und Umgebung eine bedeutende Rolle. Die Uhrmacherei diente auch als Vorläufer zur Industriealisierung und zur Phonoindustrie. Die handwerkliche Produktion von Uhrenteilen und Uhren wurde in der gesamten Regionbetrieben und daraus entwickelten sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts immer mehr Industriebetriebe. Es veränderte sich auch die Produktionsart, Holzuhren wurden immer mehr durch Metalluhren ersetzt. Diese Produktionsart war auch das Ende der handwerklichen Fertigung. Die industrielle und maschinelle Fertigung hatte begonnen. Im Lauf des 20. Jahrhunderts wurden Uhren immer kleiner und zum Gebrauchsgegenstand für Jedermann. Nach dem Ersten Weltkrieg setzte sich die Armbanduhr gegen die bislang gebräuchlichen Taschenuhren durch. In St. Georgen produzierte man Uhren für die verschiedensten Ansprüche; neben den Uhrenfirmen gab es viele Zulieferbetriebe. Die Erfahrungen mit Federn und Gussteilen, Schrauben und Stanzartikeln führten auch zur Gründung ganz neuer Unternehmen, beispielsweise für Rechenmaschinen oder mechanische Laufwerke. Entdecken Sie manches Wissenswerte in der Sonderführung.


Die Sammlung

Das Deutsche Phonomuseum St. Georgen im Schwarzwald zeigt nahezu lückenlos die Entwicklung der  Mechanischen Tonaufzeichnung- und Wiedergabe seit Edison's Erfindung des Phonographen 1877 bis heute. In einer kleinen Extraschau werden mit Mechanischen Musikinstrumenten (Flötenuhr, Polyphon, Orchestrion,  Elektr. Klavier usw.) die "Vorläufer" der Phonotechnik gezeigt. Breiten Raum nimmt die Darstellung der heimischen Phono-Industrie (DUAL,PE) ein, deren Produkte seit 1911 lückenlos zu sehen sind.

Mit diversen Phonographen, Trichter-, Schatullen-, Koffer- und "Salon"-Grammophonen, mechanischen und elektrischen Antrieben, elektrischen Tonabnehmern und deren Wiedergabegeräten, Plattenwechslern für Schellacks, dem "Ur"Tefifon, Musikbox, Phono-Koffern, den ersten HiFi-Stereoanlagen bis zu den High-Tech-Plattenspielern der 1980er Jahre und deren "Überkopf" -Demonstration wird die an Kuriositäten reiche Entwicklungsgeschichte der Phono-Technik dargestellt.
Bildmaterial, Fachliteratur und Tonträger ergänzen die Ausstellung.

Die meisten Exponate sind funktionfähig und werden bei Führungen vorgeführt.


Die Entstehung der Sammlung

Das Deutsche Phonomuseum St. Georgen im Schwarzwald entstand 1972 durch die Zusammenlegung der privaten Phonosammlungen zweier St. Georgener Bürger. Gottlob Weißer, geb. 1904, als Elektrotechniker bei der Firma PE (Perpetuum-Ebner) für die Motorenentwicklung zuständig, sammelte seit Mitte der Fünfziger Jahre historische Phonogeräte. Außerdem richtete er im Hause PE mit Unterstützung der Inhaberin, Frau Hermine Ebner ein Werksmuseum ein. Darin hat er alle Produkte der Firma seit deren Gründung, vor allem diejenigen aus dem später dominierenden Geschäftsbereich Phonotechnik zusammengetragen. Gottlob Weißer wurde deshalb in der Stadt St. Georgen mit dem Beinamen "Der Grammophon - Weißer" bedacht. Nach seinem Tod 1964 wurde seine bedeutende private Sammlung vom Neffen Jürgen Weisser weiter geführt.

Ebenfalls bereits in den frühen 50er Jahren begann Walter Grieshaber, geb. 1924, mit dem Sammeln von historischen Phonogeräten und Zubehör. Feinmechanikermeister Walter Grieshaber war bei der Firma DUAL in der Technischen Konstruktion beschäftigt; außerdem oblag ihm im Hause DUAL die Organisation und Durchführung von Messen und Ausstellungen.

Zwischen den beiden Sammlern ergaben sich - trotz der harten Konkurrenz ihrer beiden Arbeitgeber - vielfältige Kontakte. So wurden z.B. 1959 auf Initiative von Walter Grieshaber und Gottlob Weißer anlässlich des Jubiläums 100 Jahre Gewerbeschule St. Georgen in einer Sonderschau erstmals Geräte aus den Archiven und Werksmuseen - sowie aktuelle Produkte - beider St. Georgener Phonounternehmen gemeinsam ausgestellt.

Als im Rahmen der ab ca. 1970 laufenden Stadtkern-Sanierung durch den Neubau des Rathauses die Möglichkeit entstand, im Rathaus selbst Räume für die kulturelle- und/oder museale Nutzung einzuplanen, machte Walter Grieshaber über den Gemeinderat den Vorschlag, dort ein Phono-Museum einzurichten, und damit den damals in St. Georgen noch wichtigsten Wirtschaftsfaktor "Phono-Industrie" in einer Art Industrie-Museum darzustellen. Dieser Vorschlag wurde von Seiten der Verwaltung unter Bürgermeister Günther Lauffer gerne aufgenommen und die Ausstellung in die Räume des Foyer im Untergeschoß des  Rathausneubaues eingeplant.

Die beiden Sammler brachten jeweils den Großteil ihrer privaten Sammlungen in die Ausstellung ein, während sich die damals noch intakte St. Georgener Phonoindustrie eher zögerlich an deren Ausgestaltung beteiligte.
Unter Mithilfe des "foto-film+phonoclub St. Georgen im Schwarzwald" St. Georgen, der vor allem für die hervorragende Ausgestaltung des Museums mit Bildmaterial, Grafiken und Beschriftungen sorgte, wurde das Museum ab Jahresbeginn 1972 eingerichtet. Als im Juni 1972 das neue Rathaus eingeweiht wurde, konnte dabei gleichzeitig auch das PHONO-MUSEUM St. Georgen im Schwarzwald der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

Die Sammlung befindet sich heute im Besitz der Stadt St. Georgen. Sie wurde seither mehrfach umgestaltet, erweitert und aktualisiert. Sie wird im Rahmen des Projektes "St. Georgener Museen" von den Mitarbeitern des "Arbeitskreises Phonomuseum" ehrenamtlich betreut. Viele Tausend Besucher haben die Sammlung seither besichtigt. Im Jahre 1998 besuchten über 3000 - meist fachkundige - Interessenten das Museum. Besonders im Hinblick darauf, daß von der ehemals weltweit führenden St. Georgener Phonotechnischen Spezialfirmen DUAL und PE außer den Namen nichts mehr übrig geblieben ist, erfüllt die Sammlung auch als Dokumentation der Heimat- und Industriegeschichte im Schwarzwald eine wichtige Funktion.

Im Juli 2011 zog das Deutsche Phonomuseum mit neuen Exponaten, die vor allem von der Familie Dietz zur Verfügung gestellt wurden, ins ehemalige Kaufhaus "Brigau" ins Stadtzentrum. Unter großem finanziellen Engagement des St. Georgener Bürgers Georg Papst konnte dieses Projekt von der Stadt und den  Mitarbeitern des Arbeitskreises "Phonomuseum" gestemmt werden. Hier erwartet die Besucher eine umfassende Darstellung der Phonoindustrie in St. Georgen.


Die Entwicklung der Phonotechnik

Schon aus dem Altertum ist uns der Gebrauch von "Musikinstrumenten" bekannt; vermutlich dienten diese ersten "Tröten" aber weniger der musikalischen Erbauung, als der weithin hörbaren Übermittlung von Signalen und Meldungen.
Aus der Antike ist uns dann allerdings schon der Einsatz von Instrumenten zur "organisierten" Erzeugung von Tönen - also Musik in unserem Sinne - überliefert.

Seit es Musikinstrumente, die von Menschen gespielt werden, gibt, gab es wohl auch schon Versuche, diese durch Vorrichtungen verschiedenster Art (z. B. mechanisch, pneumatisch) zum selbständigen Erklingen zu bringen. Die wohl bekannteste Konstruktion dazu aus dem Altertum ist die "Äolsharve".

Aus dem Mittelalter bekannt sind - unter anderem - Glockenspiele und Hornwerke (z. B."Salzburger Stier") , bei welchen die einzelnen Stimmen (Glocken oder Hörner/Pfeifen) über mechanisch angetriebene Stiftwalzen abwechselnd so betätigt werden, dass eine Melodie erklingt. Dieses System der Stiftwalzen oder - abgewandelt - Hakenscheiben wurde bis in die 20er Jahre des vorigen Jahrhunderts praktisch unverändert zur Steuerung von Orchestrions und Walzen- bzw. Plattenspielwerken eingesetzt, die auch unter ihren Markennamen "Polyphon", "Orphenien" bekannt waren.

Etwa ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurden zur Steuerung von - vorwiegend - auf Pneumatik basierenden mechanischen Musikinstrumenten ("Serinette", Drehorgeln, Kirmes- und Konzertorgeln) Lochscheiben, Lochkarten und Lochstreifenrollen verwendet.

Zu den sogenannte "Selbstspielenden Musikinstrumenten" gehören auch das Elektrische Klavier (=Nickel-Odeon), die Nachfolger der "Orchestrien" - z.B. die mehrere Instrumente vereinigenden "Poppers Phonolist" Salonorchestrien, Reproduktions Pianos und Orgeln des Systems "Wette" und wohl auch der altbekannte "Tanzbär", eine Handharmonika, bei welcher der "Spieler" lediglich durch aufziehen und zusammendrücken des Balges die eingebaute Pneumatik betätigt und damit "vorprogrammierte" Melodien" erklingen lassen kann.

Wohl ebenso alt wie die Musikinstrumente selbst, dürfte die Idee sein, die damit erzeugten Töne (und Melodien) "einzufangen" - zu konservieren - und sie bei Bedarf oder an anderen Orten wieder hörbar zu machen, - sei es, weil man selbst kein Instrument spielen konnte oder dieses schlicht zu teuer war oder zu schwer, zu unhandlich, um transportiert zu werden.

Aus dem Mittelalter ist uns der durchaus ernstgemeinte Versuch überliefert, Töne in ein Gefäß "einzusperren" und diese dann bei passender Gelegenheit durch wieder öffnen des Gefäßes "herauszulassen", also wieder hörbar zu machen. Dies alles - Musikinstrumente, Musikautomaten, Mechanische Musikwerke und Mechanische Musikinstrumente - haben mit unserem eigentlichen Thema "Phonotechnik" also recht wenig zu tun. Allerdings kann man sich auch recht gut vorstellen, dass sie gut als Vorläufer, als Wegbereiter, teilweise sicherlich auch als Auslöser für Forschungen dienten, welche dann im späten 19. Jahrhundert zur Möglichkeit der "Mechanischen Aufzeichnung und späteren Wiedergabe" von Schallwellen - also der "PHONOTECHNIK" - führten!

Werden wir konkret:
Gemeinhin gilt der amerikanische "Alleserfinder" Thomas Alva EDISON seit seiner Entwicklung des "Phonographen" - 1877 - als Erfinder der Mechanischen Tonaufzeichnung- und Wiedergabe.
Tatsache ist jedoch, dass es schon vor Edison ernstzunehmende Vesuche gab, Schallschwingungen mechanisch aufzuzeichnen, oder diese zumindest optisch sichtbar zu machen.
Verbürgt sind in diesem Zusammenhang Versuche von Kempelen (1799), Poch (1829) und Faber (1835), welche zwar alle nach demselben - und wie sich später herausstellen wird - richtigen Verfahren  experimentierten, was aber in keinem Fall zum Erfolg führte.

Als der erste wirklich "zweckdienliche" Apparat in dieser Serie früher Entwicklungen gilt der von dem französischen Physiker Leon Scott 1859 zur reinen Untersuchung von Schallschwingungen entwickelte
Phonautograph, der in seiner Ausführung dem späteren Phonograph von T.A.Edison nicht nur sehr ähnlich sieht, sondern - da er nach dem gleichen Prinzip arbeitet - als dessen Vorläufer gelten mag (Quelle: Albert Ebner "Über den Werdegang des Phonographen und Sprech-Apparates", 1923).

Die sattsam bekannte, die Sache aber sicher auch idealisierende Geschichte, wie in Edison's  "Erfindungsfabrik" Menlopark der erste Phonograph nach einer Skizze von T.A.Edison von seinem Schweizer Mechaniker Kruesi mit der finanziellen Vorgabe "18 $"gebaut wurde und dann auch noch sofort funktionierte, ersparen wir uns deshalb.

Gleichzeitig mit Edison arbeitete in Frankreich der Physiker Charles Groz an der Entwicklung einer Sprechmaschine nach ungefähr dem gleichen Prinzip. Da er mit seinen Forschungen nicht weiter kam, bat er die renommierte "Academie de France" in Paris um finanzielle Hilfe. Er wurde eingeladen, seine Entwicklung vor einem Gremium von Fachleuten der "Academie" vorzustellen und zu erklären.

Diese Präsentation verlief offensichtlich für den Erfinder nicht sehr positiv: Die Mehrheit der anwesenden "Fachleute" befand die Entwicklung von Charles Groz zwar für "interessant", wollten sie aber trotzdem finanziell nicht fördern. Charles Croz versuchte trotzdem, seine Entwicklungen voran zu treiben und erreichte damit angeblich auch achtbare Ergebnisse; als er jedoch seine Erfindung zum Patent anmelden wollte, musste er feststellen, dass ihm T.A.Edison dabei um wenige Tage zuvor gekommen war.

Tatsache ist: Edison's Phonograph war als erste Sprechmaschine in der Lage, "Töne" aufzunehmen und auch einigermaßen verständlich wiederzugeben! Außerdem wurde sie als Erste in Serie gefertigt und auf den Markt gebracht. Als ein wesentliches Hindernis für eine erfolgreiche Einführung am Markt kristallisierte sich schon bald der Faktor "Antrieb" heraus. Im Versuchsstadium (und teilweise auch noch später) wurden alle Edison-Phonographen zunächst per Handkurbel betätigt; auch setzte Edison schon sehr bald Elektromotoren für den Antrieb ein, wobei sich beide Varianten als nicht eben "anwenderfreundlich" erwiesen.

Per Handdrehkurbel konnte nur ein sehr schlechter "Gleichlauf" erreicht werden, was besonders bei der Wiedergabe von Musikaufnahmen störte. Im Falle der alternativ von Edison verwendeten Elektromotoren war die Spieldauer durch die damals technisch bedingte begrenzte Kapazität der verfügbaren wiederaufladbaren Batterien meist sehr kurz. Das Problem "Antrieb" war also erkannt und es wurden deshalb - nicht nur von Edison, sondern auch von seinen"Lizenznehmern" - teilweise recht abenteuerliche alternative Antriebe wie Fußpedal (=Nähmaschine), Gewichtsantriebe, Wasserturbinen und gelegentlich auch schon Federwerke verwendet; diese erwiesen sich aber in ihrer Frühzeit sowohl in Bezug auf Drehzahl-Konstanz als auch der Laufzeit als ungeeignet.

Da die Tonwalzen zum damaligen Zeitpunkt (noch) nicht mechanisch vervielfältigt werden konnten, musste jede Walze "einzeln" bespielt - also "geschnitten" werden. In der Praxis sah das dann so aus, dass die "Künstler" (Sänger, Pianist, Kapelle) vor einem riesigen Trichter agierten, von dem dann der Schall über 20 (oder 30 / 50) einzelne Schläuche zu der entsprechenden Anzahl von Aufnahmeapparaten geleitet wurde um dabei in einem "Aufnahmegang" die entsprechende Anzahl von Walzen zu bespielen; um also 500 Walzen gleichen Inhalts zu erhalten, mussten die Akteure - bei 50 angeschlossenen Aufnahme-Apparaten - 10 mal das gleiche Stück in den Trichter singen und/oder spielen.

Im Jahre 1870 ließ sich der aus Hannover stammende Deutsche Auswanderer Emil Berliner in Washington - USA nieder. Er befasste sich mit Elektrotechnik und Akustik und entwickelte ein "verbessertes Microphon". 1883 verkaufte er die Rechte und Fertigungslizenzen daran der "Bell Telephon Company" für 75.000,- US $. Nachdem er mit seinem Bruder Joseph in Hannover die "Telephon-Fabrik Berliner" für den Deutschen Markt gegründet hatte, widmete er sich verstärkt der Entwicklung "seiner" Methode zur Schallaufzeichnung. "Grammophon" nannte er seine Erfindung einer "Sprechmaschine", als er sie 1887 der Öffentlichkeit vorstellte und zum Patent anmeldete. Im Gegensatz zu Edison, welcher eine  (Hart-)Wachs-"Walze" als Tonträger für seinen "Phonographen" benützte, verwendetete Emil Berliner dazu eine Scheibe, eine Schall - "Platte" aus Hartgummi, die später zur "Schellack-Platte" wurde.


Die Phonoindustrie in St. Georgen

Schon im 18. Jahrhundert wurden im Schwarzwald Uhren gefertigt, welche durch die berühmten "Schwarzwälder Uhrenträger" in ganz Europa und bis in die Türkei verkauft wurden. Diese Form des Uhrengewerbes, die sog. "Heim"- oder "Hausuhr-Macherei" wurde im 19. Jahrhundert allmählich durch viele neu gegründete "Uhren-Fabrikationen" und später den Uhrenfabriken abgelöst. Diese neuen Spezialbetriebe benötigten spezielle Werkzeuge und Vorrichtungen für die rationelle Serienfertigung ihrer Produkte.

Im St. Georgener Ortsteil Stockwald, im sogenannten "Krumpenloch" fertigte eine Familie Steidinger über Generationen hinweg im Heimgewerbe Uhrenbestand-Teile und vor allem selbsterdachte und "ertüftelte" Spezialwerkzeuge und Vorrichtungen für die Uhrenherstellung.

Mit der Erfindung und Herstellung einer "Spindelbohrmaschine" mit Teilscheibe zum rationellen Bohren von"Laternen"- oder "Hohl-Trieben" Mitte des 19.Jahr- Hunderts wird der Name Steidinger weit über St. Georgen hinaus in der Uhren-Industrie ein Begriff.

1860 heiratet Sohn Christian und eröffnet im Schwiegerelterlichen Haus in St. Georgen eine mechanische Werkstatt für Uhrenbestandteile und Werkzeuge. Auch der bekannte "Spindelbohrer" wird hergestellt. Er erhält von seinen Mitbürgern den "Übernamen" Spindle-Chrischte.

Aus der Ehe gehen sechs Kinder hervor; vier Söhne und zwei Töchter. 1862 wird als ältester Josef geboren, 1873 folgt Christian (Junior). Beide erhalten in der väterlichen Werkstatt eine hervorragende Ausbildung im Werkzeug- und Vorrichtungsbau, sowie in der Teilefertigung. Beide machen sich bereits vor der Jahrhundertwende selbständig; und zwar zunächst jeder für sich.

Josef Steidinger mietet sich Räume im Untergeschoss des Gasthauses "Deutsches Haus" in St. Georgen und beginnt dort 1900 mit der Fertigung von Bestandteilen für Uhren und Wassermesser. Außerdem fertigt er dort die patentrechtlich geschützte "Steidingers ewige Klingel", eine Türklingel, bei der der Klöppel durch ein "Federwerk" angetrieben wird.

Da sich die Brüder Josef und Christian Steidinger geschäftlich zusammenschließen wollten, wird beim Wohnhaus von Christian ein Neubau für 40 Mitarbeiter erstellt. Am 1.August 1906 zieht Josef Steidinger mit seinen Mitarbeitern in das neue Gebäude um; es werden nun zusammen 25 Mitabeiter beschäftigt. Am 1. Februar 1907 entsteht dadurch - jetzt auch rechtlich - die Firma "Gebrüder Steidinger, Fabrik für Feinmechanik".

Nachdem 1907 schon Federwerke für Grammophone - allerdings noch in "Fremdauftrag" - gefertigt wurden, zeigt das junge Unternehmen auf der Leipziger Frühjahrsmesse 1908 die ersten "eigenen" Federwerke. Die daraufhin unerwartet hohe Nachfrage veranlasst die jungen Unternehmer bereits 1909 zu einer Erweiterung der Betriebsgebäude.

Zu diesem Zeitpunkt werden von ca. 60 Beschäftigten bereits pro Monat 5.000 Federwerke produziert, was 1910 zu erneuter räumlichen Erweiterung führt. Außer Federwerken für Grammophone werden jetzt auch Federwerkantriebe für die in der Umgebung ansässige Orchestrion-Industrie hergestellt; für die Firma "Hohner" in Trossingen wird ein "Drehteller-Reklamewerk" zur Warenpräsentation hergestellt.

Meinungsverschiedenheiten zwischen den beiden Brüdern führten dazu, dass Josef Steidinger 1911 die gemeinsame Firma verlässt und sich erneut selbständig macht. Er mietet sich Räume im "Gasthaus Sonne" und in der ehemaligen Klostersäge. Da er bei seinem Ausscheiden aus der gemeinsamen Firma einen Teil seiner Geschäftsanteile in Bestandteilen von Federlaufwerken "ausbezahlt" bekommt, kann er dort sofort eine eigene Fertigung aufbauen. Er gründet noch 1911 die "PERPETUUM Schwarzwälder Federmotoren und Automatenwerke; Inhaber Josef Steidinger".

Da seine Betriebsräume im "vorderen" Teil von St. Georgen angesiedelt waren, nannte man seinen Betrieb im Volksmund "der Vordere Steidinger", während der Betrieb seines Bruders Christian - da im "hinteren" Teil des Ortes gelegen - als "der Hintere Steidinger" bezeichnet wurde.

Ebenso hießen die beiden Brüder - nach dem Übernahmen des Vaters - im Volksmund auch weiterhin "Spindle-Sepp" und "Spindle-Chrischte".


Service-Angebot

Im Rahmen unserer Möglichkeiten bieten wir Phonosammlern, Phonogeräte-Besitzern und sonstigen Interessierten Hilfe bei Fragen zu 

- Technik
- Ersatzteilbeschaffung
- Reparaturmöglichkeit
- Technische Dokumentation (Bedienungsanleitung, Serviceanleitung usw.)

von historischen Phonogeräten sowie Plattenspielern/Wechslern/Komponenten aus der Produktion der ehemaligen St.Georgener Phonohersteller DUAL und PE an.

Bitte wenden Sie sich dazu an:

Deutsches Phonomuseum
Bärenplatz 1
78112 St. Georgen
Tel.: 07724 8599138

Spezialist für Dual-Geräte:

Milan Babic
Elektro-Service Babic​
Schwarzwaldstraße 10
78112 St. Georgen
Tel.: 07724 829421