Sammlung Grässlin

Museumstraße 2
78112 St. Georgen
Tel.: 07724 9161805

Auf einzigartige Weise präsentiert die Stiftung Grässlin ihre international bedeutende Sammlung für zeitgenössische Kunst. Ein Besuch im KUNSTRAUM GRÄSSLIN ist Ausgangspunkt für einen geführten Entdeckungsspaziergang durch St. Georgen. Jährlich wechselnde Ausstellungen in den externen RÄUMEN FÜR KUNST gewähren den Gästen Einblick in leer stehende Ladenlokale, städtische Einrichtungen oder Privathäuser und schaffen eine eindrückliche Begegnung jenseits der pittoresken Schwarzwaldidylle.

Öffnungszeiten

Die Sammlung Grässlin kann nach Vereinbarung besucht werden. Anmeldung unter Tel. 07724/9161805 oder E-Mail info@sammlung-graesslin.eu


Eintrittspreise

Erwachsene: 10 €
Ermäßigter Eintritt: 8 € (Schüler, Studierende, Auszubildende, Wehr- und Zivildienstleistende, Schwerbehinderte gegen entsprechenden Nachweis)
Freier Eintritt für Kinder bis 12 Jahre, Inhaber des Museums-PASS-Musées
Alle Preise inklusive Führung.


Aktuelle Ausstellung

Heimo Zobernig: Café Trabant. Foto: Wolfgang Günzel

KUNSTRAUM GRÄSSLIN
Heimo Zobernig

RÄUME FÜR KUNST
WE LOVE PAINTINGS.
Malerei aus der Sammlung

Eröffnung am 19. März 2016

In diesem Jahr feiert der KUNSTRAUM GRÄSSLIN sein zehnjähriges Bestehen. Aus diesem Anlass zeigt die Stiftung Grässlin eine große Überblicksausstellung zum Thema Malerei mit Werken aus den 1980er-Jahren bis in die Gegenwart.

Den Auftakt bilden im KUNSTRAUM GRÄSSLIN die Arbeiten des österreichischen Künstlers Heimo Zobernig (geb. 1958 in Mauthen), der mit zahlreichen Werken aus allen Schaffensperioden in der Sammlung Grässlin vertreten ist. Bekannt geworden ist er für seine Arbeitsweise, die sich frei zwischen Malerei, Skulptur, Film und Performancekunst bewegt und dabei die Bedeutung der avantgardistischen Bewegungen immer wieder in den Blick nimmt. In seinen Arbeiten befragt er sowohl die Skulptur der Minimal Art als auch die abstrakte Malerei neu und schafft architektonische Interventionen, die sich auf spezifische Weise mit dem jeweiligen Ort auseinandersetzen und dabei die Relationen zwischen den Objekten sowie zwischen Objekt und Betrachter genauestens austarieren.

Im KUNSTRAUM ist die Installation des Café Trabant zu sehen, ein räumlicher Eingriff, den Zobernig 1994 mit wenigen Mitteln in einer Wiener Künstlerbar vorgenommen hatte. Der an die eigentliche Bar anschließende Galerieraum wurde damals mit Hilfe einfachsten Mobiliars kurzerhand zu einer Verlängerung des Barraums umgestaltet. Im KUNSTRAUM steht die Konstruktion losgelöst von ihrer ursprünglichen Umgebung und muss sich neu positionieren, indem sie sich formal zu den weißen Wänden des umgebenden Raums in Beziehung setzt und diese so zu ihrem Selbstverständnis als Bestandteile des White Cube befragt.

Bei den drei neuen Gemälden Ohne Titel (2014/15) nimmt Zobernig sowohl auf die Konkrete Kunst als auch die Konkrete Poesie Bezug, indem er die technische und chemische Farbbezeichnung der verwendeten Farbe auf die Leinwand schreibt und zugleich übermalt, so dass sie im eigentlichen und im verweisenden Sinne sichtbar wird. So bewegt sich der Betrachter dieser Arbeiten zwischen dem ästhetischen Genuss der reinen Farbe eines monochromen Bildes und der Aufnahme einer technischen Information, die Auskunft über die Beschaffenheit des Materials gibt. Dabei ist der Eindruck der Bildoberfläche ein äußerst flüchtiger, der sich je nach Perspektive oder Lichteinfall verändert und die Bilder nur schwer greifbar macht.

In den über St. Georgen verteilten RÄUMEN FÜR KUNST sind unter dem Titel „WE LOVE PAINTINGS“ – angelehnt an die Collage-Reihe von Martin Kippenberger mit dem Sticker „I LOVE...“ – ausgewählte malerische Positionen aus der Sammlung zu sehen. Mit Werken von Werner Büttner, Günther Förg, Georg Herold, Martin Kippenberger, Albert Oehlen und weiteren Künstlern haben die 1980er-Jahre in dem ehemaligen Industriegebäude in der Bahnhofstraße 64a einen großen Auftritt. Damals hat nicht nur die figurative Malerei eine Wiederbelebung erfahren, sondern auch eine Phase der Neuorientierung in der Ausrichtung der Sammlung Grässlin stattgefunden. Nachdem die Informel-Sammlung der Eltern Anna und Dieter Grässlin Ende der 1970er-Jahren mit wenigen Schlüsselwerken vervollständigt wurde, begannen die vier Geschwister Bärbel, Thomas, Sabine und Karola junge KünstlerInnen ihrer eigenen Generation zu entdecken und anzukaufen. Das großformatige Gemälde von Georg Baselitz in einem der Schaufenster fungiert wie eine Klammer zwischen der frühen Informel-Sammlung und der heutigen Sammlung Grässlin.

Jüngere Positionen sind mit Cosima von Bonin im Rathaus oder mit Stefan Müller in der Galerie im Wohnhaus von Anna Grässlin vertreten. Während Cosima von Bonin mit dem Einsatz ihrer Stoffbilder den Malereibegriff hinterfragt, indem sie den klassischen Bildträger Stoff zur Bildoberfläche macht und in ihren im Foyer ausgestellten Multiples Low und High Culture spielerisch miteinander vermengt, konzentriert sich Stefan Müller auf das klassische Tafelbild. Die in den letzten zehn Jahren entstandenen Bilder setzen die Leinwand als Träger malerischer wie zufälliger Gebrauchsspuren ein und erzeugen so eine poetische Wirkkraft des Ephemeren.

Ein Gang vorbei an den Schaufenstern mit Arbeiten von Helmut Dorner, Imi Knoebel, Michael Krebber, Kalin Lindena oder Hans-Jörg Mayer macht deutlich, dass die zeitgenössische Malerei noch immer an den klassischen Fragen wie denen nach Abstraktion und Gegenständlichkeit interessiert ist, sie gleichwohl um narrative und konzeptuelle Aspekte erweitert.

Die Sammlung Grässlin kann nach Vereinbarung besichtigt werden. Ein geführter Rundgang beinhaltet sowohl den Besuch des KUNSTRAUM GRÄSSLIN als auch der RÄUME FÜR KUNST.

In der Ausstellung vertretene Künstler (Auswahl):
Georg Baselitz, Henning Bohl, Cosima von Bonin, Herbert Brandl, Werner Büttner, Helmut Dorner, Günther Förg, Poul Gernes, Georg Herold, Sergej Jensen, Martin Kippenberger, Imi Knoebel, Michael Krebber, Kalin Lindena, Hans-Jörg Mayer, Meuser, Stefan Müller, Albert Oehlen, Markus Oehlen, Tobias Rehberger, Andreas Slominski, Jan Timme, Heimo Zobernig


Geschichte der Sammlung

Im Bereich der Gegenwartskunst sind in den vergangenen Jahren eine Reihe beachtenswerter Privatsammlungen gewachsen, deren herausragendes Kennzeichen der direkte Kontakt des Sammlers mit den Künstlern seiner eigenen Generation und ihren Werken ist. Die Familie Grässlin gehört zu diesem Kreis von Sammlern. Im  Gegensatz zu anderen Privatsammlungen kann man die Sammlung Grässlin jedoch als ein Gruppenunternehmen, als eine Art Kollektiv sehen, an dem die fünf Familienmitglieder – Anna, Bärbel, Thomas, Sabine und Karola – beteiligt sind und in dem sich die unterschiedlichen Positionen widerspiegeln.

Die Wurzeln der Sammlung Grässlin liegen in den 70er Jahren, als die Eltern Dieter und Anna Grässlin begannen, Werke des  deutschen Informel zusammenzutragen. Dass es sich hierbei um Namen handelt, die heute klassische kunsthistorische Werte verkörpern, wie z. B. Carl Buchheister, Jean Fautrier, Karl Otto Götz, Gerhard Hoehme, Emil Schumacher oder Wols, spricht für den Mut und die Weitsicht des Ehepaares Grässlin. Ihre Kinder  begannen 1981, Künstlerpositionen der 80er Jahre zu sammeln. Ihr Augenmerk richtete sich erneut auf die Kunst der unmittelbaren Gegenwart, worin sich auch der Glaube an die Kräfte dieser Kunst äußerte, gleichzeitig aber auch das Bedürfnis, sich mit dem Neuen auseinanderzusetzen. Ein riskantes Unterfangen, denn die Kunst der 80er Jahre, für die sie sich entschieden, war keineswegs  gefällig und bei weitem nicht unumstritten. Vielmehr wurden Werke von Werner Büttner, Martin Kippenberger, Albert Oehlen und Markus Oehlen wie auch die plastischen Arbeiten von Günther Förg, Isa Genzken, Georg Herold, Hubert Kiecol, Meuser, Reinhard Mucha oder Franz West als sperrig, zynisch oder gar anmaßend empfunden, handelte es sich doch um Positionen, die durch Ironie und Desavouierung dem bürgerlichen Verständnis von zeitgenössischer Kunst widersprachen.

Aber nicht nur die Werke allein, sondern auch die Kontakte zu den Künstlern, aus denen auch Freundschaften entstanden, rückten von Anfang an in den Vordergrund des Interesses. So lebte zum Beispiel Martin Kippenberger von 1980 bis 1981 und von 1991 bis 1994 bei der Familie Grässlin in St. Georgen und fand hier eine Wahlheimat, in die er immer wieder zurückkehrte. In dieser Zeit schuf er in der Bergstadt Schlüsselwerke, die einen wichtigen Grundstock der Sammlung Grässlin bilden.

Seit Anfang der 90er Jahre wird die Sammlung durch internationale Positionen wie Kai Althoff, Michael Beutler, Cosima von Bonin, Tom Burr, Clegg & Guttmann, Mark Dion, Kalin Lindena, Michael Krebber, Christian Philipp Müller, Stefan Müller, Tobias Rehberger, Christopher Williams oder Heimo Zobernig erweitert, die sich mit konzeptionellen Fragestellungen und Ortsbezogenheit auseinandersetzen.

Das Konzept der Sammlung Grässlin zeichnet sich dadurch aus, dass die Familienmitglieder sich auf ausgewählte Künstler der 80er, 90er und 2000er Jahre konzentrieren, von denen sie Werke aus allen wichtigen Schaffensphasen zusammentragen. Oft handelt es sich dabei um raumgreifende Werkblöcke, die mehr in den Museumskontext als in eine Privatsammlung passen. Umso wichtiger war es für die Familie Grässlin, durch die Errichtung des KUNSTRAUMS GRÄSSLIN im Jahr 2006 die Sammlung der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Das Konzept der Sammlungspräsentation setzt auf eine Vernetzung mit der lokalen Stadtstruktur.

Neben dem neu errichteten KUNSTRAUM GRÄSSLIN besteht bereits seit 1995 das Projekt RÄUME FÜR KUNST, das leer stehende Ladenlokale, aber auch den Plenarsaal des Rathauses, den Stadtgarten sowie die Privathäuser der Familienmitglieder als Ausstellungsorte nutzt. Der Museumsbesuch wird so zum Stadtspaziergang. Im jährlichen Wechsel werden im KUNSTRAUM GRÄSSLIN und in den externen RÄUMEN FÜR KUNST Werke aus dem Sammlungsbestand präsentiert, um so ein subjektives, aber repräsentatives Panorama des heutigen Kunstschaffens zu bieten.